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New Work, New Learning, New Normal – Rückblick zum ArbeitgeberDialog im Kunstmuseum Wolfsburg

Endlich wieder live… Mit über 130 Gästen fand der erste ArbeitgeberDialog 2022 des Arbeitgeberverbandes Region Braunschweig im Kunstmuseum Wolfsburg statt. Inmitten der sehenswerten Ausstellung „Macht! Licht!“ standen zwei Themen im Mittelpunkt: Wie verändert sich Unternehmenskultur und welche Lernkultur braucht es, um die Mitarbeitende und Unternehmen für die Zukunft zu rüsten. AGV-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Niemsch ließ in seiner Begrüßung keinen Zweifel daran, dass neben dem technologischen Wandel vor allem der Wandel von Kultur und Qualifizierung eines der Topthemen für die kommenden Jahre sei. Das Braunschweiger Unternehmen iServ war nicht nur Sponsor des Abends, sondern Gründer und Geschäftsführer Jörg Ludwig wusste aus erster Hand von einer digitalen Lern- und modernen Unternehmenskultur zu berichten.

 

Gleich zwei spannende Impulsgeber sorgten mit ihren Keynotes für Gesprächsstoff. Der weltweit renommierte Organisationsforscher Prof. Markus Reitzig von der Universität Wien erklärte, warum der Wandel konsequent zu flacheren Hierarchien und einer stärkeren Selbstorganisation führen müssen. Seine These: Wenn Big Data und KI immer mehr Routineaufgaben übernehmen, brauchen Unternehmen vor allem Menschen, die kreativ sind und über den Tellerrand schauen können. Genau diese Menschen lassen sich aber wiederum nicht in lange Entscheidungsketten einzwängen, in denen sie mehr Frust als Selbstwirkungskräfte erleben.

 

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„Die Gestaltung des Arbeitsplatzes für maximale Delegation wird die Kunst des Managements sein.“

Flachere Hierachien heißen im Umkehrschluss laut Reitzig aber vor allem auch viel mehr direkte Berührungspunkte der Mitarbeitenden mit dem Management des Unternehmens, die vorher durch lange und tiefe Hierachieketten vermieden wurden. Für diese Kontakte müssten sich Führungskräfte laut Reitzig mehr Zeit verschaffen und vermehrt Aufgaben im Sinne einer stärkeren Selbstorganisation des Unternehmens delegieren. Seine Überzeugung ist: „Die Gestaltung des Arbeitsplatzes für maximale Delegation wird die Kunst des Managements sein.“

 

Selbstorganisation schafft Raum für die wesentlichen Aufgaben des Managements

Reitzig stellte in seinem Vortrag ganz praktische Beispiele von Unternehmen vor, die längst mit einem hohen Maß an Selbstorganisation ihrer Mitarbeitenden arbeiten. In diesen Praxisfällen war das Unternehmensmanagement bereit, bisherige Kernaufgaben an die Mitarbeitenden zu delegieren. Dazu gehörten sowohl Aufgaben der Arbeitsgestaltung und -verteilung wie auch der Bezahlung, der Gestaltung von Problem- und Ausnahmesituationen und des innerbetrieblichen Kommunikationsaustausches. Stattdessen konnte sich das Management auf das Recruiting und die Entwicklung wirklich erfolgssteigernder Mitarbeitenden fokussieren.

 

„Wenn man über 300 Millionen Views mit Mathevideos schafft, schafft man das auch mit anderen Themen.“

Im Anschluss an Prof. Reitzig sprach Bildungsvordenker Daniel Jung. Jung gilt als Pionier einer videobasierten Aus- und Weiterbildung. Mit über 2.500 Erklärvideos hat er in den letzten Jahren Millionen von Schülern und Studierenden erreicht. Über 300 Millionen Views zählen seine Kanäle. Er ist überzeugt: Für die Welt von morgen kann man nicht lernen wie gestern. Das gilt in der Schule genauso wie in den Unternehmen.

 

„Die Eliteuniversitäten der Welt stellen ihre Vorlesungen frei ins Netz. Wir müssen sie nur nutzen.“

Doch im Kern ging es Jung nicht nur darum, die Reichweite von Videocontent zu verdeutlichen, sondern vor allem die Kraft von videobasiertem Content für die Lernkultur herauszustellen. Die anwesenden Führungskräfte rief Daniel Jung auf, die Kraft von Youtube und anderen Plattformen vermehrt in die betriebliche Weiterbildung zu integrieren. Schon heute gäbe es zu fast allen Themen „Lernnuggets“ auf Youtube, mit denen Mitarbeitende in neue Trendthemen unkompliziert einsteigen könnten. Wo dann eine Vertiefung notwendig ist, reihen sich mittlerweile unzählige Anbieter an: Udemy, Coursera oder LinkedIn Learning sind nur einige Beispiele. Entscheidend sei es, eine Lernkultur zu schaffen, bei der nicht alle paar Jahre die Seminaranmeldung durch die Personalabteilungen organisiert würden, sondern Mitarbeitende dabei gestärkt werden, intrinsisch motiviert nach neuem Wissen im Netz zu suchen. Jung meint: „Die Eliteuniversitäten der Welt stellen ihre Vorlesungen frei ins Netz. Wir müssen sie nur nutzen.“  Hier schloss sich wiederum der Kreis zu einer von Reitzig eingeforderten Unternehmenskultur, in der auch die Aus- und Weiterbildung von einer stärkeren Selbstorganisation profitieren kann und muss.

 

„In vielen Punkten sind wir auf dem richtigen Weg.“

Der Sponsor des Abends, das Braunschweiger Unternehmen IServ, konnte im doppelten Sinne ein Fazit des Abends ziehen: „In vielen Punkten sind wir auf dem richtigen Weg.“ Damit meinte der Gründer und Geschäftsführer von IServ, Jörg Ludwig, nicht nur eine stärkere Digitalisierung in der Schulbildung, sondern auch die eigene Unternehmenskultur. Das Unternehmen wuchs in der Corona-Pandemie rasant und beschäftigt mittlerweile über 150 Mitarbeitende, um Schulen in ganz Deutschland eine digitale Bildungsplattform zu bieten. Flache Hierachien und ein hoher Grad an Selbstorganisation hat geholfen, um inmitten der Coronapandemie einen so starken Aufbau von Mitarbeitenden und Umzug in ein neues Büro zu ermöglichen. Ludwig stellte aber auch klar, dass noch einiges in Deutschland zu tun ist, um wirklich eine digitale Lernkultur zu ermöglichen: „In vielen Schulen versorgt immer noch ein einfacher DSL-Anschluss hunderte von Schülern. Damit kann man schon in der Hardware kaum digitale Lernwelten aufbauen.“

 

Moderator Martin Brüning führte die Gäste wieder mit viel Charme und Witz durch den Abend und konnte nach knapp 90 Minuten nicht nur zum Buffet, sondern vor allem zu spannenden Gesprächen einladen.

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