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Austausch zur Energiemarktentwicklung – was kann jetzt getan werden

Auf Initiative der Braunschweig Zukunft GmbH fand kürzlich ein gemeinsamer Austausch zur Energiemarktentwicklung statt. Ausgangspunkt waren die starken Preissteigerungen, die sich mittlerweile neben Gas auch auf andere Energieträger übertragen haben. Noch wirken sich die Preissteigerungen auf viele Kunden nicht aus, weil laufende Lieferverträge die Preise absichern. Doch spätestens mit Ablauf der Verträge oder einer Verschärfung der Situation ist mit erheblichen Preissteigerungen oder sogar Lieferverknappungen zu rechnen. Klaus Winter, Geschäftsführer der Braunschweiger Netz GmbH, und Dr. Volker Lang, Vorstandsmitglied der BS|ENERGY Gruppe, informierten Vertreter der Verbände und Kammern über die aktuelle Lage. Der AGV Region Braunschweig war durch Hauptgeschäftsführer Florian Bernschneider vertreten. Aus dem Treffen sind neben einem umfassenden Lagebild auch Empfehlungen entstanden, wie Unternehmen kurz- und mittelfristig mit der Situation umgehen sollten.

Aktuelle Situation

Der Gaspreis für 2023 hat sich derzeit an den Märkten versechsfacht. Da sich der Markt aufgrund der aktuellen geopolitischen Gegebenheiten sehr volatil zeigt, ist nicht absehbar, wie sich der Preis mittel- bis langfristig noch entwickeln könnte. Es ist durchaus denkbar, dass der Preis mit einer Zuspitzung der Lage durch eine weitere Verknappung der Gasliefermengen weiter stark ansteigen könnte. Hierbei handelt es sich nicht um ein deutsches Phänomen, sondern die Preissteigerung der Märkte sind in ganz Europa zu verzeichnen.

Gleichzeitig hat sich jedoch auch der Strompreis stark erhöht – hier ist gar eine Versiebenfachung zu verzeichnen. Ausgangspunkt der Preissteigerungen ist der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine bzw. die seit dem umsich greifenden Wirtschaftssanktionen. Aber auch der Ausstieg aus der Kernenergie und der Kohleverstromung ohne vollwertigen Ersatz, die nun entstandene weltweite Konkurrenz um LNG sowie ein erhöhter Energiebedarf durch den Wiederanlauf vieler Produktionsprozesse nach Coronahemnissen in den letzten Monaten.

Entscheidend ist, dass Kunden, die noch laufende Lieferverträge mit Gas zu günstigen Konditionen haben, darauf nicht unbedingt bauen können. Die Novelle des EnSiG (Gesetz zur Sicherung der Energieversorgung, hier §24 und §26) sieht vor, dass unter bestimmten Voraussetzungen (zum Beispiel bei ausbleibenden Gaslieferungen aus Russland) die Energieversorger die entstehenden Zusatzkosten für die Beschaffung von Gas vollständig an die Endkunden weitergeben können, unabhängig von laufenden Verträgen. Der Strompreis ist hiervon ausgenommen – hier gelten auch weiterhin die laufenden Verträge.

Ob es zu dieser Situation kommt ist dieser Tage noch völlig unklar. Die Wiederinbetriebnahme von Nordstream 1 und eine Rückkehr zu den Liefermengen vor den Wartungsarbeiten gilt bereits als entscheidende Wegmarke. Sollte eine Gasknappheit entstehen, ist allerdings nicht nur mit deutlichen und kurzfristigen Kostensteigerungen zu rechnen, sondern auch mit einer möglichen Abschaltung oder Herabsetzung bestimmter Lieferungen an Gasverbraucher.

Während Privatverbraucher und kleinere und mittelgroße gewerbliche Verbraucher als sogenannte geschützte Gaskunden mit pauschaler Energieabnahme gelten (Standardlastprofil), stünden leistungsgemessene Kunden (meist Großgewerbe) direkt vor möglichen Einschnitten in den Liefermengen. In Braunschweig gibt es beispielsweise 80 solcher leistungsgemessenen Kunden, von denen 58 (Ausnahmen gelten für systemrelevante Einrichtungen wie Krankenhäuser) bei einer Gasmangellage nicht mehr voll mit Gas versorgt werden können oder im Worst-Case vom Netz getrennt würden, sollte die physikalische Versorgungssicherheit im Winter nicht mehr sichergestellt werden können. BS|ENERGY und BS|Netz sind im engen Austausch mit diesen Kunden. Sollten die Einsparungen auf dieser Ebene nicht genügen, greifen weitere Stufen auf Ebene der übrigen Kunden.

Wichtig ist: Die Prognosen deuten neben Herausforderungen in den kommenden Wochen und Monaten vor allem darauf hin, dass der kommende Winter 2023/24 zu einem echten Problemfall für die deutsche Wirtschaft werden könnte. Denn während heute noch davon ausgegangen werden kann, dass Gasvorräte für den Winter vorhanden sind, ist bei einem weitgehenden Lieferstopp kein weiterer Aufbau von Speicherkapazitäten mehr möglich. Entscheidend wird deswegen sein, wie schnell alternative Lieferwege (u.a. LNG-Terminals) tatsächlich erschlossen werden bzw. in Betrieb genommen werden können.

Was können Unternehmen tun?

  1. Kurzfristig: Überprüfung der eigenen Energieverträge, insbesondere auf Laufzeit und Kosten. Kalkulation der Auswirkung gestiegener Energiepreise auf den eigenen Betrieb.
  2. Kurzfristig: Schaffung von Liquidität, um im Falle weiter steigender Energiekosten handlungsfähig zu bleiben, insbesondere auch vor dem Hintergrund möglicher kurzfristiger Preiserhöhungen im Rahmen von EnSiG
  3. Kurzfristig: Überprüfung der eigenen Möglichkeiten, aktiv Energie (Strom und Gas) einzusparen.
  4. Kurz-/ Mittelfristig: Erschließung alternativer Energieformen für den eigenen Betrieb, z. B. Photovoltaik, Holz oder Öl. Dies wird insbesondere mit Blick auf den Winter 2023/2024 von hoher Bedeutung sein.