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Die „neuen“ Geschäftsführer der Region: AL-Elektronik

Manchmal muss man einfach den richtigen Schalter drücken – als Wilfried Both sich Anfang der 70 Jahre dazu entschied eine Kaufmännische Ausbildung in der Elektronik zu machen , da spielte die Elektronik sehr wenig eine Rolle. Selbst in der Automobilbranche eine eher untergeordnete Rolle. „Vielleicht werden diese Dinge einmal fünf Prozent beim Fahrzeug ausmachen, mutmaßte man damals. Jetzt sind es eher 50 Prozent“, erzählt er. Also alles richtig gemacht, bei der Wahl der Branche und den ersten Schritt getan, um später einmal AL-Elektronik zu gründen. Doch der Technik-Siegeszug brachte auch die Suche nach dem eigenen Ausstieg von Herrn Both aus dem Unternehmen mit, wer übernimmt einmal die laufenden Geschäfte? Was uns genau zu diesem Artikel bringt, einem Weiteren aus der Rubrik – Nachfolger gesucht – Generationenwechsel in den Unternehmen der Region.

 

Alles der Reihe nach

Wilfried Both arbeitete jahrelang in verschiedenen Führungspositionen, unter anderem bei einem großen amerikanischen Konzern als Mitglied des europäischen Vorstandes und konnte sich über mangelnde Nachfrage zu seiner Person kaum beklagen. Mit der Zeit reifte in ihm aber der Gedanke, dass er das alles auch allein könnte. „Mit Mitte 40 war ich dann irgendwie der Meinung, ich möchte es jetzt mir noch einmal beweisen und habe die AL-Elektronik Distribution GmbH mit meiner Frau Edeltraud gegründet. Über eine Nachfolge hatte ich dabei aber natürlich noch nicht nachgedacht.“ So gründete er vor mehr als 18 Jahren die AL-Elektronik als ein verlässlicher Partner in der Distribution von elektromechanischen und passiven Bauelementen.

 

Im Laufe der Jahre reifte beim Gründer die Erkenntnis, dass irgendwann der Tag kommen wird, an dem die Firma entweder verkauft werden oder eben ein Nachfolger gefunden werden muss. „Mir war immer ganz klar, als Letzter abschließen, dass mache ich nicht, das wäre unverantwortlich gegenüber dem ganzen Team. Wir haben ja auch eine soziale Verantwortung unseren Mitarbeiterinnen/ Mitarbeitern gegenüber, hier hängen mittlerweile rund 40 Familien dran… Ich hätte das Unternehmen auch immer nur in der Familie an die Tochter oder den Sohn Maximilian (in der Sterneküche ausgebildet und heute sehr erfolgreich als Küchenchef in Braunschweig) weitergegeben unter der Voraussetzung ein Kind möchte es von sich aus tun, eine andere Nachfolge-Regelung konnte ich mir nicht vorstellen. Weitergehend schildert der Gründer Both: Es ist doch so, sobald die erste Krise da ist, muss man wieder das eigene Geld investieren und die Arbeitsplätze erhalten und ist sofort wieder komplett involviert“. Genau an dieser Stelle schließt sich der Kreis zur Einführung – es steht der Generationenwechsel an:

 

Eine glückliche Fügung

Die Verantwortung für AL-Elektronik wird künftig die Tochter Nicole Both tragen, die seit 2010 im Unternehmen ist und seit 2015 in der Geschäftsführung. Dabei hatte sie beruflich eigentlich schon einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Sie hatte parallel zur Examensphase des Jurastudiums eine kaufmännische Ausbildung begonnen, beides erfolgreich beendet und arbeitete nach den Abschlüssen als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Braunschweig. Im Sommer 2010 gab es den Anruf aus dem elterlichen Betrieb, ob sie sich nicht vorstellen könne auszuhelfen. „Nach dem kurzfristigen Ausfall einer Mitarbeiterin ging es darum, das ISO-Audit im Betrieb erfolgreich zu begleiten. Aufgrund der Nachfrage aus der Familie und der Firma habe ich mich entschlossen, den elterlichen Betrieb näher anzuschauen, um dann zu entscheiden, ob ich mir vorstellen könnte dauerhaft zu bleiben. Dies ist wie man sieht geschehen. Also auch hier, zumindest eine gewisse Form von glücklicher Fügung.

 

Mittendrin statt nur dabei

Was den Ausschlag gegeben hat? „Es war einfach eine ganz andere Perspektive, auch langfristig, dazu kam der Faktor etwas kreieren zu können. Innerhalb von zwei Jahren habe ich den kompletten Durchlauf durch die Firma gemacht. Ich habe in jeder Abteilung mitgearbeitet und am Ende mein Herz ein wenig an den Einkauf verloren. In dieser Abteilung kann ich mein kaufmännisches Wissen einbringen, es ist aber auch juristisches Fachwissen häufiger notwendig – für mich die optimale Mischung“, sagt Nicole Both. Ob nun ein besonderer Druck auf ihr laste in die Fußstapfen des Vaters zu treten? „Ich habe das als absolute Chance gesehen, ich bin mit Elektronik groß geworden, habe hier früher zum Beispiel bei Inventuren ausgeholfen und kenne den ein oder anderen Mitarbeiter schon sehr lange. Ich hatte nie den Druck, dass ich das machen muss, es war eine sehr bewusste und freie Entscheidung, über die ich sehr froh bin.“

 

Gemeinsam etwas aufbauen

Aktuell kümmert sich der Vater um den Vertrieb und die Tochter um den Einkauf. Die klare Trennung sei auch für die Mitarbeiter leichter, da es so eindeutige Zuständigkeiten bzw. eine Trennung gibt. Nach dem Ausscheiden des Seniors werden die Führungspositionen des Vertriebs und des Einkaufes neu besetzt. Nicole Both wird sich dann aus dem Tagesgeschäft zurückziehen, um sich der strategischen Ausrichtung des Unternehmens anzunehmen. „Wir haben das Glück aktuell eine Führungsmannschaft gemeinsam aufbauen zu können, die dann auch zur späteren alleinigen Firmenleitung passt“, sagen die beiden unisono.

 

Schleichender Übergang

Die Nachfolge habe man Stück für Stück eingeleitet. „Über das gemeinsame Tagesgeschäft haben wir es mehr und mehr geschafft, dass die Mitarbeiter meiner Tochter vertrauen und folgen“, berichtet der Senior. Man habe das große Glück gehabt, dass man den Weg über Jahre gemeinsam gehen kann und konnte. Dabei sei es ihm auch nicht schwer gefallen einzelne Bereiche abzugeben. „Wenn es sich ein Kind zutraut und es gerne machen möchte, dann hat man natürlich eine ganz andere Basis. Wenn man dazu das Vertrauen hat, dann ist loslassen kein Problem.“ Er ergänzt lachend: „Ich könnte auch morgen aufhören, wenn es nach mir ginge.“ Klar sei für die Zukunft aber auch: „Einer alleine kann das Unternehmen nicht mehr führen, es braucht ein starkes Führungsteam in dem der zukünftige Ehemann von Nicole engagiert mitarbeitet. Ein solches Team liegt vor und wird durch geeignete Mitarbeiter/-innen weiter ausgebaut. Die Mitarbeiter sind verwurzelt, auch weil sie wissen was sie an uns haben und wir an Ihnen. In den letzten Jahren sind wir auch sehr schnell gewachsen, wodurch es immer wichtiger wurde als Team zusammenzuarbeiten, da das Arbeitsaufkommen sonst nicht alleine bewältigbar war.
Auch in einem Krisenjahr wie 2009 wurden keine Mitarbeiter entlassen, mit privaten Mitteln konnten wir das abfedern und hatten die Hoffnung, die uns bestätigt wurde, dass es eben im nächsten Jahr wieder besser wird und wir wieder durchstarten konnten. Es ist eben auch Teil der Verantwortung, die man als Unternehmer trägt.“, erzählt er. Man muss sich ständig weiterentwickeln, dies wurde gerade meiner Tochter mit der Auszeichnung „Zukunftgeber“ bestätigt.

 

Um die Auszeichnung Zukunftgeber zu bekommen, war es notwendig an verschiedenen Workshops teilzunehmen, die alle Bereiche eines Unternehmens abdecken, um seine aktuellen Strukturen zu überprüfen und gegebenenfalls zu optimieren. Zu diesen Bereichen zählen zum Beispiel: Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Wissensmanagement als auch Mitarbeiterrekruting. Gestartet sind die Workshops im letzten Herbst und endeten im März bevor es zur Auszeichnung der Zukunftgeber 2018 im Mai gekommen ist.

 

Warum es häufig so schwer sei geeignete Nachfolger für die Unternehmensleistung zu finden, möchte ich von den Beiden wissen. Wilfried Both sieht ein generelles Problem in der Gesellschaft. Man rede immer darüber wer alles gescheitert sei und es nicht geschafft habe und selten über Erfolge, dann einen sicheren Weg einzuschlagen, dass liege für viele junge Leute näher. Ferner werde der Mittelstand häufig völlig falsch eingeschätzt, “die reichen Manager da oben, machen was sie wollen…“. Das Unternehmertum werde dabei oft ins schlechte Licht gerückt. „Dabei ist der Mittelstand doch die tragende Säule unserer Gesellschaft, diese Wertschätzung sehe ich kaum noch“, erzählt er. Zudem seien die grundsätzlichen Rahmenbedingungen wenig attraktiv: „Arbeitsplätze fallen dann weg, Steuersenkungen sind zudem eigentlich längst überfällig. Nicole Both führt noch an, dass viele junge Leute heute mehr auf eine ausgewogene Work-Life-Balance schauen, als die Ärmel hochzukrempeln und mitanzupacken. Sie sagen sich dann halt: ‚Gut, dazu habe ich überhaupt keine Lust. Ich werde lieber Beamter, habe meine Sicherheit und meine Work-Life-Balance passt.“

 

Man müsse dringend etwas tun

„Ich denke es muss künftig ein Umdenken geschehen, in der Schule fehlen aus meiner Sicht zentrale Wirtschaftsthemen und der Hinweis darauf, wie wichtig der Mittelstand ist. Aktuell sind beide Geschäftsführer in verschiedenen Gremien tätig, um auch hier einen Beitrag zu leisten. Damit geeignete Nachfolger schon von Kindesbeinen ausgebildet werden können, muss man viel früher ein anderes Bewusstsein schaffen, das fehlt leider zurzeit völlig“, ergänzt die Geschäftsführerin.

 

Man selbst habe einige Maßnahmen ergriffen, um beim ebenfalls belastenden Fachkräftemangel attraktiv für Bewerber zu bleiben. Ausbildung ist seit Anfang an ein wichtiger Bestandteil der Unternehmens Philosophie gewesen, egal ob im kaufmännischen Bereich , in der Lagerlogistik und heute sehr engagiert mit Studium Informationsmanagement an der WelfenAkademie. Auch tue man sehr viel um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden „Es gibt keine Überstunden, keinen Wochenenddienst, wir bieten flexible Arbeitsformen wie z.B. die Möglichkeit vom Home Office aus zu arbeiten an. Ergänzend fügt die Geschäftsführerin Nicole Both noch ein: „Aber auch die Familien sind uns sehr wichtig, diese sind auf unseren Firmenfeiern immer willkommen, es gibt zudem einen Eltern-Kennenlerntag, wo die Eltern der Auszubildenden/Studierenden einmal im Betrieb zu Gast sind, um sich anzuschauen, wo das eigene Kind seine Ausbildung oder Studium macht. Außerdem haben wir noch den großen Vorteil im Mittelstand, dass Mitarbeiter hier direkt Projekte vom Anfang bis zum Ende mit begleiten können, dies ist in Konzernen weniger möglich.“

 

Neue Arbeitswelt und noch mehr…

Für die kommenden Jahre sieht sie eine ganz zentrale Aufgabe auf sich zukommen. „Alle Mitarbeiter durch die Digitalisierung zu führen, ihnen die Angst vor dem Neuen, dem Unbekannten nehmen. Arbeitsplätze und Ausbildungen werden sich verändern, das werden aber auch Chancen und Verbesserungen mit sich bringen und so gehen wir das auch offensiv und positiv an.“ Mit Sicherheit die richtige Einstellung, damit es am Ende wieder eine glückliche Fügung gibt…