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Florian Bernschneider zur aktuellen Corona-Lage

Die Braunschweiger Zeitung berichtet heute über die aktuelle Corona-Welle, die auch in den Unternehmen der Region angekommen ist. AGV Hauptgeschäftsführer Florian Bernschneider kennt die Probleme aus den Mitgliedsbetrieben. „Doch davon abgesehen und so traurig es ist: Corona ist dieser Tage nur eines von vielen Problemen, mit denen die Betriebe zu kämpfen haben. Es sind deutlich erschwerte Bedingungen zwischen anhaltenden Lieferengpässen, Preissteigerungen und Corona-Ausfällen.“ Hier ist das komplette Interwiew.

 

Können Sie Angaben dazu machen, ob und inwiefern Unternehmen aus unserer Region die Corona-Welle zu spüren bekommen? Ist der Krankenstand hoch, sind Mitarbeitende vermehrt wieder in Quarantäne?

Die hohen Corona-Fallzahlen führen aktuell immer wieder zu Ausfällen in den Betrieben. Zum Glück berichten die Betriebe im Großteil von sehr milden Verläufen, bei denen die Ausfallzeiten sich im Vergleich zum Anfang der Pandemie durchaus verkürzt haben. Corona bleibt aber auch bei mildem Verlauf eine entscheidende Herausforderung und hat eine besondere Priorität, weil es am Ende immer um die Gesundheit von Mitarbeitenden geht. Doch davon abgesehen und so traurig es ist: Corona ist dieser Tage nur eines von vielen Problemen, mit denen die Betriebe zu kämpfen haben. Unsere Mitgliedsbetriebe berichten von deutlich erschwerten Bedingungen zwischen anhaltenden Lieferengpässen, Preissteigerungen und Corona-Ausfällen.

 

Gibt es aus diesem Anlass Empfehlungen des AGV, damit Unternehmen neue/ reaktivierte Verhaltensregeln zum Homeoffice/ Masketragen/ Personenzahl z. B. in Aufzügen/ Abstandhalten, etc. wieder einführen?

Die Unternehmen haben in den letzten Jahren sehr kluge und abgestufte Hygienekonzepte ausgearbeitet. Wir erleben, dass die Unternehmen einen durchgehend hohen Infektionsschutz sichergestellt haben. So stellen viele Betriebe weiterhin kostenlos Corona-Schnelltests zur Verfügung, Homeoffice-Regelungen werden beibehalten und Schutzausrüstung wird zur Verfügung gestellt. Einige Betriebe melden uns, dass sie die Sicherheitsvorkehrungen wieder verschärft haben und z.B. Selbsttests vor Besprechungen durchführen, das Maskentragen im Unternehmen wieder einführen oder um Schnelltests vor der Rückkehr aus dem Sommerurlaub bitten. All diese Maßnahmen sind sicherlich sinnvoll und leisten einen Beitrag der Unternehmen im Kampf gegen Corona. Wir sehen daher keinen Bedarf, hier Empfehlungen auszusprechen oder politische Verschärfungen einzufordern.

 

Mit Blick auf die Politik: Wie bewertet der AGV den politischen Umgang mit der Pandemie zurzeit? Werden die politischen Maßnahmen der aktuellen Situation gerecht?

Wir würden uns eine klare und bessere Reglungen zur Entgeltzahlung bei corona-positiven Mitarbeitenden wünschen. Nicht in jedem Fall reichen fünf Tage Quarantäne aus, bis der Test wieder negativ ist. Doch wenn der Test danach noch positiv ist, aber keine Symptome vorliegen, die für eine Krankschreibung sprechen, bleibt die Frage: Wer zahlt dann eigentlich, wenn der Mitarbeitdende länger zuhause bleibt? Darf der Arbeitgeber den betreffenden Mitarbeitenden dann aussperren? Juristisch unklar scheint auch vermehrt die Frage, wie mit milden Verläufen bei Ungeimpften umzugehen ist. Denn bei vergleichbaren Verläufen von Geimpften und Ungeimpften kann man juristisch nur schwer argumentieren, dass eine Absonderung durch Impfung hätte verhindert werden können. Das ist aber der juritische Ausschlussgrund, warum für Ungeimpfte keine Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz gewährt wird. Erst die schweren Verläufe machen ja häufig den Unterschied aus. Wer trägt nun das Risiko für diese Argumentation? Für Arbeitgeber ist es jedenfalls unbefriedigend, dass Corona-Erkrankte angesichts dieser rechtlichen Unsicherheiten vermehrt eine Krankschreibung vorziehen, um Sicherheit über eine Entgeltfortzahlung zu haben.

 

Wir hoffen außerdem darauf, dass die Politik vorbereitet in den Herbst geht und nicht nach einer langen Sommerpause und einem Landtagswahlkampf in Niedersachsen in eine mögliche weitere Hochphase hineinstolpert. Einen Flickenteppich unterschiedlicher Länderregelungen gilt es aus unserer Sicht ohnehin zu verhindern. Die Unterschiede im Infektionsgeschehen zwischen Cuxhaven und Göttingen sind nicht kleiner als zwischen Braunschweig und Magdeburg; wozu sollten dann Niedersachsen und Sachsen-Anhalt wieder andere Regelungen verhängen? Diese Phase der Krisenbewältigung sollten wir hinter uns haben und wirklich nur dort zu unterschiedlichen Maßnahmen greifen, wo es einen klaren Zusammenhang zur Situation vor Ort gibt. Statt einem Streit um Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern würden wir uns vor allem wünschen, dass kluge Vorbereitungen getroffen werden, um Schulen, Kitas und Verwaltung in jedem Fall in Betrieb zu halten.