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Im Gespräch mit… Dr. Thomas Schirrmann

Mit dem Auftreten von Covid-19 standen die Firmen YUMAB und CORAT Therapeutics plötzlich im nationalen Rampenlicht. Hinter CORAT Therapeutics steht das Biotechnologie-Unternehmen YUMAB. Dort entwickelt und optimiert man menschliche Antikörper für Biotech- und Pharmakunden weltweit. Zu Beginn der Pandemie, entschlossen sich die Forscher ihr Know-how für ein Medikament gegen das SARS-CoV-2-Virus einzusetzen. Ein echter Hoffnungsschimmer, der überregional für Aufsehen sorgte. Im Gespräch mit Dr. Thomas Schirrmann, Geschäftsführer der YUMAB und Gründungsgeschäftsführer der CORAT Therapeutics, geht es um den aktuellen Stand der Entwicklung, die Forschungslandschaft und eine echte Vision für die Region.

Eins wird im Gespräch schnell deutlich, hier ist jemand mit Herzblut bei seinen Vorhaben und Forscher durch und durch. So macht es zum Anfang sicherlich Sinn vorzustellen, was da eigentlich am Ende produziert werden soll. „Virusabwehrende menschliche Antikörper können wir biotechnologisch herstellen und anstelle von Antikörperseren aus dem Blutplasma von genesenen Patienten verabreichen, um das Virus zu bekämpfen“, erklärt Dr. Thomas Schirrmann. Stellt sich natürlich die Frage, wann diese Behandlungsmethode am Ende auf den Markt kommt.

 

„Die ersten Daten sehen nicht schlecht aus“

 

Wie das immer so ist in der Forschung – wann etwas fertig wird, kann selten genau vorher gesagt werden. „Wenn bei der Forschung eine Medikamenten-Studie und ein Virus eine Rolle spielt, dass seit Beginn der Pandemie mehrfach durch Mutationen die Voraussetzungen geändert hat – macht es die Situation nicht leichter. Kurzum – in welcher Form und wann die Entwicklung von YUMAB/CORAT auf den Markt kommt und wie gut es gegen die dann vorherrschende Variante wirkt, lässt sich zur Zeit nicht seriös beantworten. „Die ersten Daten sehen nicht schlecht aus, das kann man zumindest festhalten. Was das am Ende bedeutet allerdings momentan noch nicht“, so Dr. Thomas Schirrmann. Das eine der Studien dann ausgerechnet in der Ukraine stattfand und nun umgeplant werden musste, zeigt einmal mehr mit welchen Widrigkeiten man sich auseinandersetzen muss.

 

Längst sind die Studien aber nicht der einzige Stolperstein. YUMAB hätte seine Corona-Forschung an Antikörpern mangels Fördermitteln und der nicht ausreichenden Eigenkapitalausstattung fast schon komplett einstellen müssen. So kam Schirrmann zusammen mit seinen YUMAB-Shareholdern die Idee einer Firmenneugründung für die Entwicklung eines Corona-Medikaments. Er gründete Corat Therapeutics – und fand schnell Investoren. Überwiegend aus dem regionalen Raum und Personen, die vorher noch nie in diesem Bereich investiert hatten. Yumab stellt die Forscher, Corat wurde als Startup für die klinische Entwicklung und kommerzielle Verwertung gegründet, um das Medikament auf den Markt zu bringen.

 

Schwierige Förderlandschaft

 

„Die Finanzierung in diesem Fall schon eine Besonderheit, man wird sicherlich nicht immer Privatinvestoren finden, die sich so einem Projekt verschreiben und genau dort haben wir aus meiner Sicht ein echtes Problem. Die Politik ist in Deutschland sehr, sehr, sehr konservativ, wenn es um die Förderung von Biotech-Innovationen geht. Statistisch ist jede Medikamentenentwicklung immer ein Hochrisikoprojekt, aber ohne Risiko gibt es auch keine Innovationen. Wir hängen bestimmt 20 bis 30 Jahre hinterher bei der Biotechnologie im Vergleich zu USA, wo sicherlich 20 bis 30 mal soviel Geld investiert wird“, erklärt Schirrmann.

 

Er nennt ein konkretes Beispiel: Man warte immer wieder auf Fördermittel, die nicht oder zu spät freigegeben werden. „Wir bräuchten einige Mittel jetzt, um uns Produktionsslots im nächsten Jahr sichern zu können, wir bekommen die Mittel dafür aber nicht im Vorfeld ausgezahlt. Da scheitert es dann an den Grundvoraussetzung und das ist unglaublich frustrierend“, beschreibt er die Problematik. „Es ist einfach so, dass solche Unterfangen unglaublich viel Geld kosten, die Entwicklung unter Corona-Bedingungen, was einige Sachen beschleunigt hat, kostet am Ende um die 150 Millionen Euro, ohne das es eine Sicherheit auf Erfolg gibt“, berichtet er weiter. Man brauche schon ein paar 100 Millionen, wenn man Innovationen in Niedersachsen wolle, dann müsse eben auch investiert werden. Die Biotech-Branche werde aus Sicht von Schirrmann mindestens so finanzstark wie die Chemiebranche und sei dazu unglaublich vielfältig. „Es gibt ja auch den Bereich der nachwachsenden Rohstoffe, ein riesiger Markt, gerade in Bezug auf mehr Nachhaltigkeit, aber wir handeln in Deutschland nicht. Viele Innovationen gehen so verloren oder die Gründer gehen ins Ausland. Ich hoffe für Niedersachsen, dass man irgendwann versteht, dass die Landwirtschaft und Autos bauen alleine nicht die Lösung sein kann.

 

Gemeinsam stärker

 

Sein Wunsch für Braunschweig wäre eine Art Hightech Campus, der den Austausch fördert und einen echten Leuchtturm bietet. „Es wäre doch erstrebenswert, dass wir die klugen Köpfe der Branche an einem Ort zu vereinen. An einem Platz mit Fläche zum Wachsen für die Unternehmen, aber auch einem Startup-Inkubator für Innovationen aus unseren lokalen Forschungseinrichtungen und Firmen aus anderen synergistischen Fachbereichen. Bei unserem aktuellen Wachstum werden wir in fünf Jahren mehr Platz brauchen und wenn es die Möglichkeit gibt, dass dabei etwas innovatives entstehen kann, dann wäre das toll.“

 

Niemand weiß, wohin die Reise geht

 

Abschließend stellt sich die Frage, ob die Corona-Entwicklung nicht bereits jetzt zu spät kommt. Schirrmann hat dazu eine klare Meinung: „Ich höre die Frage seit über zwei Jahren und immer wieder kann ich nur die gleiche Antwort geben – niemand weiß wohin sich das Virus entwickelt. Keiner weiß, was im nächsten Herbst kommt oder was in zwei Jahren ist. Die Vakzine lösen das Corona-Problem leider bisher nicht, sie minimieren es nur. Wie viele Wellen und Mutationen noch folgen, dass kann niemand sagen. Normalerweise dauert die Entwicklung eines neuen Medikaments zehn Jahre, wir sind bisher deutlich schneller. Das Virus wird ja nicht mehr verschwinden, deshalb ist es immer besser weitere Optionen in der Zukunft zu haben. Wir müssen viel mehr in die Vorsorge investieren, denn es wird sicher nicht die letzte Pandemie sein.“

 

YUMAB ist eine Ausgründung der TU Braunschweig. Dr. Thomas Schirrmann, Dr. André Frenzel, Prof. Dr. Stefan Dübel und Prof. Dr. Michael Hust gehören zu den Gründern und riefen sie 2012 ins Leben.