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Im Gespräch mit Jessica und Michael Herbst

Jessica und Michael Herbst sind neue Inhaber und Geschäftsführer
der Vierke Corporate Fashion + Concepts GmbH. Beide bringen langjährige Erfahrung im Textilbereich sowie aus dem Management mit. Sie folgen nach 44 Jahren auf Heiner Vierke und wir haben sie zum Interview gebeten.

 

Frau und Herr Herbst, vielen Dank für das heutige Interview. Für den Anfang würden wir gerne etwas mehr über Sie erfahren. Kommen Sie aus der Region? Was sind Ihre Hobbys? Wie war der Werdegang bis zum heutigen Tag? Wie lange sind Sie im Unternehmen?

 

Jessica Herbst: Ich bin mit dem Unternehmen Vierke gewachsen. Ich habe mit meiner Berufsausbildung im Groß- und Außenhandel im Unternehmen begonnen und bin seit 2001 an Bord. Während meiner Laufzeit habe ich alle Fachabteilungen durchlaufen – vom Einkauf über die Logistik bis hin zur Finanzbuchhaltung und zum Key Account Management. Vor dem Unternehmenskauf habe ich als Bereichsleiterin den Bereich ÖPNV erfolgreich an die Spitze geführt.

 

Michael Herbst: Ich bringe 22 Jahre Management-Erfahrung im strategischen Produktmanagement und in der Entwicklung und Einführung von modularen Produkt- und Dienstleistungsbereichen mit ein. Während meiner Laufbahn war ich jeweils elf Jahre für zwei international tätige namhafte Konzerne in Leitungsfunktion verantwortlich. Unsere Freizeit genießen wir sehr gerne familien- und naturverbunden. Unsere Kinder, Jannis (14 Jahre), und Neele (13 Jahre), wissen genau, wie sie uns auf andere Gedanken bringen können, um für den nötigen Abstand zur Arbeit und für einen Tapetenwechsel zu sorgen.

 

Wie würden sie ihren Führungsstil beschreiben?

 

Michael Herbst: Für unseren Erfolg und die Attraktivität unseres Unternehmens ist es unserer Ansicht nach unerlässlich, dass alle Leistungsebenen ihre Aufgaben optimal erledigen können. Mal motivierend und kollaborierend, mal koordinierend oder dirigierend, mal lenkend und kontrollierend. Der entscheidende Punkt für uns ist dabei die Anerkennung und Wertschätzung jedes einzelnen.  Unserer Erfahrung nach möchten Mitarbeiter nicht nur ein Rad im Getriebe sein, sondern sich zugehörig fühlen, Verantwortung übernehmen und einen Sinn in ihrer Arbeit erkennen. Dann sind sie auch zu Höchstleistungen motiviert.

 

Wie nehmen Sie in Ihrem Unternehmen den Fachkräftemangel wahr? Muss man neue Wege gehen, um noch genügend Aufmerksamkeit zu erreichen?

 

Jessica Herbst: Unserer Meinung nach sollten Unternehmen ihre bisherigen Personalstrategien überdenken und längerfristig planen. Wir sind in unseren Bewerbungsprozessen bei den Einstellungskriterien sehr flexibel. Kandidaten, die nicht hundertprozentig auf das Anforderungsprofil passen, können so trotzdem berücksichtigt werden. Wir bilden sie dann entsprechend weiter und motivieren sie, wenn die fachlichen Kompetenzen noch nicht hundertprozentig passen. Wir bieten Unterstützung und Qualifizierungsmöglichkeiten, um dem Fachkräftemangel effektiv entgegenzuwirken.

 

Was fasziniert Sie persönlich an Ihrem Unternehmen, was begeistert Sie an Ihrem Job?

 

Jessica Herbst: Die Faszination liegt für uns sowohl am Thema Bekleidung als auch an der Kreativität, mit der wir arbeiten können. Jedes Bekleidungsstück ist individuell und jede Kollektion ist nach den Wünschen unserer Kunden und Partner ausgerichtet und designt. Das heißt, wir haben eine lebendige Produktionskultur, in der jede Produktion und jede Kollektionsentwicklung für uns einzigartig ist. Parallel ist sie adaptierbar und kann durch entsprechendes Finetuning auf Wunsch unserer Partner angepasst werden.

 

Corona ist leider weiterhin eines der zentralen Themen unserer Gesellschaft, was hat das mit Ihrem Unternehmen gemacht? Wie wurden z.B. Video-Beratungen angenommen?

 

Michael Herbst: Unsere virtuellen Meetings und Kundengespräche ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit unseren Partnern und Kunden. Wir arbeiten sehr optisch und haptisch orientiert. Bekleidung ist ein Produkt, das man in die Hand nehmen muss, das man fühlen muss, um sich von dem Produkt zu überzeugen. Dies ist in der aktuellen Situation schwierig geworden.

 

Was unsere Abstimmungen im internationalen Sektor mit unseren Produzenten in Europa und Fernost betrifft, haben wir schon vor der Pandemie auf diese Technik zurückgegriffen. Jedoch ersetzt diese wiederum nicht die Produktionsprüfung vor Ort.

 

Haben Sie Verständnis für die konkreten Regelungen der Politik, was würden Sie sich vielleicht anders wünschen? Wie sieht es aktuell bei Ihnen aus, was können Sie überhaupt anbieten, wie kann im Unternehmen aktuell gearbeitet werden?

 

Michael Herbst:  Ich sehe das wie im Fußball. Jeder Zuschauer zu Hause am Bildschirm fühlt sich grundsätzlich als der bessere Trainer und es kommt nicht selten vor, dass die Entscheidung des tatsächlichen Trainers in Frage gestellt wird. Die aktuelle Marktsituation ist sehr herausfordernd und schwierig. Wir können auf die Auflagen der Bundesregierung nur reagieren und nicht eigenständig entscheiden. Die Strategie zur Pandemiebekämpfung ist verabschiedet. Wir können nur unsere Taktik für uns so effizient wie möglich aufstellen.

 

Unseren MitarbeiterInnen bieten wir die Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten. Wir haben sie mit entsprechendem Equipment ausgestattet und wir können hier sehr flexibel unsere Arbeitsabläufe anpassen – immer mit Blick auf die Sicherheit unserer KollegInnen.

 

Glauben Sie, dass die aktuelle Lage langfristig Änderungen bei Ihnen ergeben könnte? Wie wirkt sich zudem das neue Lieferkettengesetz bei Ihnen aus?

 

Jessica Herbst: Wir sehen uns grundsätzlich in der Pflicht, die von uns im Ausland produzierten Erzeugnisse in allen Phasen unserer Lieferkette auf etwaige umweltschädigende oder gegen die Arbeitsbedingungen verstoßende Produktionsverfahren zurückzuverfolgen und einzuhalten. Demnach sind das für unsere keine wirklich neuen Punkte.

 

Was würden Sie sich künftig für die Region wünschen, wenn Sie einen Wunsch frei hätten?

Michael Herbst: Wir wünschen uns kurzfristig ein Öffnen der Region. Geschäfte, Dienstleistungen und die Gastronomie sollten wieder öffnen. Hier geht es primär um die Existenzen in der Region, aber auch um das soziale Miteinander. Ein virtuelles Gespräch, ein Telefonat wird nie eine Begegnung auf Augenhöhe ersetzen.