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Im Gespräch mit… Michael Schwarz

Als Chief Operating Officer (COO) hat Michael Schwarz das operative Geschäft des saudi-arabischen Hauptstadtflughafens „Riyadh Airports“ geleitet. Zuvor war er erfolgreich unter anderem in leitenden Positionen bei der Frankfurter Flughafengesellschaft „Fraport“ sowie bei „Air Berlin“ tätig – warum er nun den Flughafen Wolfsburg-Braunschweig leitet, wie ihm die Region gefällt und wie sein Team die Corona-Krise meistert, das klären wir im Gespräch mit…

 

Herr Schwarz, zu Anfang gleich eine ganz banale, aber dennoch ziemlich entscheidende Frage, warum haben Sie sich für Braunschweig entschieden und leiten nun hier den Flughafen? 

 

Der Flughafen Braunschweig-Wolfsburg hat so viel Potential, besonders in der gewerblichen Entwicklung. Mich hat die Aufgabe, dieses Potential zu nutzen und den Flughafen voranzubringen, sehr gereizt. Was wir in den letzten zwei Jahren erreicht haben zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und ich freue mich immer zu sehen, dass das Potential nun genutzt wird.

 

Was gefällt Ihnen an der Region? Wie haben Sie sich hier eingelebt? 

 

Die Region hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Obwohl Braunschweig eine eher kleinere Stadt ist, merkt man an vielen Stellen die Schlagkraft. Auch die Zusammenarbeit mit den Menschen hier ist sehr spannend und bringt immer neue Erkenntnisse mit sich. Man spürt, dass sich die Metropolregion weiterentwickelt und Braunschweig auf einem guten Weg ist, eine Smartcity zu werden mit Zielen, die auch wir als Flughafen verfolgen.

 

Musste auch Ihr Team in das Homeoffice wechseln oder wie sind die aktuellen Vorgänge bei Ihnen?

 

Bei Positionen, bei denen es möglich ist, richteten wir früh die Möglichkeit ein, von zu Hause zu arbeiten. Damit wir aber weiterhin den engen Kontakt aufrechterhalten konnten, gab es eine tägliche Videokonferenz, bei der wir uns unter anderem über die Verkehrszahlen, den Schutz der Mitarbeiter und der Fluggäste sowie über alltägliche Themen austauschten. Durch den starken Rückgang des Verkehrsaufkommens waren wir gezwungen unsere Betriebszeiten einzuschränken – wobei der Flughafen Braunschweig-Wolfsburg immer geöffnet blieb. Auch unsere Mitarbeiter arbeiten seit Ende März in Kurzarbeit. Durch die Lockerungen spüren wir nun aber einen Anstieg des Flugverkehrs und erhöhten aufgrund dessen Mitte Mai die Verkehrszeiten. Die Mitarbeiter arbeiten wieder im Büro, insofern es mit der Kinderbetreuung vereinbar ist.

 

Glauben Sie, dass die aktuelle Lage langfristig Änderungen im Flugverkehr ergeben könnte? 

 

Wie auch bei den großen Flughäfen gehe ich davon aus, dass wir in den nächsten ein bis zwei Jahren von einem Rückgang des Flugverkehrs ausgehen müssen. Ich bin aber überzeugt, dass wir nach dieser Zeit wieder die alten Verkehrszahlen erreichen.

 

Der Lilienthalplatz wurde umgestaltet, das Erscheinungsbild vor dem Flughafen verbessert. Was soll parallel passieren, um die Abfertigung für Fluggäste attraktiver zu machen und wie ist die aktuelle Situation? 

 

Wir planen aktuell einen qualifizierten Umbau des Terminals, der 2021 fertiggestellt werden soll. Wir möchten mit dem Umbau zum einen natürlich mehr Platz für Reisende bieten, zum anderen soll aber auch das in die Jahre gekommene Erscheinungsbild aufgefrischt werden. Der Flughafen Braunschweig-Wolfsburg ist ein innovativer Ort, das soll sich auch beim Terminal widerspiegeln. Die Finanzierung für den Umbau steht und die Umbauarbeiten sollen noch 2020 beginnen.

 

Sind auch Veränderungen vorgesehen, um den Flughafen stärker als Ausflugsziel zu etablieren oder liegt vieles jetzt erst einmal auf Eis? 

 

Strategische Projekte lagen die gesamte Zeit über nicht auf Eis. Wir haben alle Projekte weiterentwickelt und uns täglich abgestimmt. Unsere Besucherterrassen mussten wir während des Lockdowns leider schließen. Nun sind sie aber wieder geöffnet und werden nach wie vor gerne von Flughafen-Interessierten genutzt. Die Sanitäranlagen im Bereich der Besucherterrassen werden aktuell saniert. Wir planten für dieses Jahr außerdem einige Veranstaltungen, die nun abgesagt werden mussten. Für die Zukunft aber werden die Planungen, den Flughafen vermehrt als Veranstaltungsort zu nutzen, aufgegriffen und sobald es wieder möglich ist, möchten wir den Flughafen häufiger als Veranstaltungsplattform nutzen.

 

Einiges ist schon passiert, was wollen Sie tun, um den Forschungsaspekt am Flughagen mehr zu betonen? 

 

Die einzelnen Forschungsunternehmen am Flughafen sollen noch stärker verzahnt werden. Wie bereits gesagt, sehe ich sehr viel Potential in dem Flughafen, was noch lange nicht ausgereizt ist. Wir prüfen derzeit, wie wir verfügbare Flächen noch stärker für die Forschung nutzen können. Wir merken sehr häufig, dass großes Interesse seitens der Bürgerinnen und Bürger besteht, daher informieren wir seit kurzer Zeit auf unserer neuen Website über neue Forschungsprojekte.

 

Was machen Sie, wenn Sie einmal nicht arbeiten? 

 

Ich entdecke die Region mit dem Fahrrad, am liebsten mit Freunden oder der Familie. Die Fahrt entlang der Oker oder der neue Weg entlang des Ringgleises gefallen mir jedes Mal wieder sehr gut. Vor Corona und hoffentlich auch bald wieder möglich, reise ich gerne innerhalb Deutschlands und natürlich auch weltweit, das bringt die Leidenschaft für meinen Beruf mit sich.

 

Wie kann man Sie als Mitarbeiter begeistern? 

Mit innovativen und herausfordernden Projekten, die für Standortentwicklung wichtig sind. Es reizt mich jedes Mal wieder, in kontroversen Themen ein optimales Ergebnis zu erzielen.

 

Was fasziniert Sie persönlich am Fliegen, was begeistert Sie an Ihrem Job?

Mein Beruf ermöglicht es, komplexe Prozesse mit vielen unterschiedlichen Beteiligten zu gestalten und zu steuern. Das habe ich schon immer gerne gemacht. Hinzu kommt natürlich die Internationalität, das Grenzenlose. Ich bin immer wieder fasziniert, wenn ein besonderes Flugzeug landet – das passiert in Braunschweig zum Glück häufig.

 

Wie erleben Sie ganz persönliche die aktuelle Corona-Zeit? 

 

Ich bevorzuge immer die direkte Kommunikation, daher war es für mich anfangs etwas ungewohnt, die Mitarbeiter und Kunden nur über Videokonferenzen zu sehen. Über die gesamte Zeit habe ich aber festgestellt, dass es auch im Homeoffice funktioniert. Wobei ich mich schon darauf gefreut habe, dass alle wieder im Büro sind und der persönliche Kontakt wieder möglich ist, wenn auch weiterhin eingeschränkt. Besonders positiv empfand ich den Rückhalt der Behörden und Gesellschafter bei Betriebsentscheidungen, die wir während der Zeit treffen mussten.

 

Was würden Sie sich künftig für die Region wünschen, wenn Sie einen Wunsch frei hätten? 

Die Region ist so schön und hat so viel zu bieten, doch ich würde mir wünschen, dass sie bekannter wird. Bevor ich beruflich nach Braunschweig kam, habe ich nicht gewusst, was in dieser Region steckt. Vielleicht würde eine größere Bekanntheit auch das gastronomische Angebot vergrößern, was ich mir wünschen würde, wenn ich einen zweiten Wunsch frei hätte (lacht).

 

Fotos: Andreas Rudolph