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Im Gespräch mit… Torsten-A. Kietzmann

Torsten-A. Kietzmann ist CEO der Autohaus Wolfsburg Hotz und Heitmann GmbH & Co. KG, im Gespräch mit dem AGV erzählt er, wie sich die Coronakrise auf das Geschäft ausgewirkt hat und wie die Mitarbeiter mit der Situation umgehen. Man habe von Anfang an auf hohe Transparenz und umfassende Kommunikation wert gelegt, beschreibt er das Vorgehen im Autohaus. In ausführlichen Situationsberichten habe man das Team auf dem Laufenden gehalten, auch die, die bereits in Kurzarbeit oder im Home-Office sind. Lesen Sie im Folgenden das gesamte Interview.

 

Herr Kienzmann, wie ist die Lage in Ihrem Unternehmen?

Unsere 27 Autohäuser verteilen sich auf die Bundesländer Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Alle sind gleichermaßen von den unterschiedlichen Allgemeinverfügungen der Städte und Kommunen betroffen: das klassische Verkaufsgeschäft musste eingestellt werden, den Kundendienst dürfen wir unter Einhaltung besonderer Hygienevorkehrungen aufrecht erhalten. Dadurch mussten wir – wie viele andere Branchen – das florierende Frühjahrsgeschäft deutlich runterfahren.

 

Was ist die besonderes Herausforderung für ein Autohaus in der aktuellen Lage?

Ich denke, dass unsere wesentliche Herausforderung darin liegt, den Zeitraum des deutlich eingeschränkten Geschäftes weitestgehend unbeschadet zu überstehen. Damit meine ich zum einen natürlich die Gesundheit unserer Mitarbeiter/innen und Kundinnen und Kunden. auf der anderen Seite liegt unsere Königsaufgabe als Unternehmer aber wohl darin, alle Betriebe hinreichend liquide zu halten und im zweiten Schritt den Ertrag nicht aus den Augen zu verlieren. Als Autohändler betreiben wir ja ein sehr kapitalintensives Geschäft.

Würden Sie sich an der ein oder anderen Stelle mehr Unterstützung wünschen, ganz gleich von wem? Wenn ja, wobei?

Wir haben in den letzten drei Wochen unzählige Gespräche, zumeist telefonisch, mit der Politik, den Kommunen, den Banken, Beratern, der Agentur für Arbeit sowie unseren Mitarbeiter/innen und Mitarbeitern, dem Betriebsrat und den Eigentümern unserer Gesellschaften geführt. Da jeder, direkt oder indirekt, mittelbar oder unmittelbar, betroffen ist, ist das gegenseitige Verständnis sehr hoch. Jeder weiß aber auch, dass er seinen Beitrag leisten muss, um diese außergewöhnliche Situation möglichst unbeschadet zu überstehen. Neben unseren Mitarbeitern gilt unser Dank insbesondere unseren Banken für schnelle und zielgerichtete Entscheidungen und Unterstützungen und dem VW Konzern mit seinen Marken.

 

Wie gehen die Mitarbeiter mit der aktuellen Situation um, wie ist da Ihr Eindruck, arbeiten die meisten in Kurzarbeit weiter, sind Sie noch vor Ort tätig oder im Homeoffice? Haben Sie Tipps, wie man in der aktuellen Lage in Kontakt mit den Mitarbeitern bleiben kann?

Wir haben von Anfang an sehr offen mit unseren Mitarbeitern kommuniziert, sei es über den direkten persönlichen Weg (der aktuell nur eingeschränkt möglich ist) oder über unseren Betriebsrat und die Führungsmannschaft. In den letzten drei Wochen haben wir fast täglich einen Krisenstab in Telefonkonferenzen zusammengerufen, der sich aus unserem Aufsichtsrat, der Geschäftsführung, dem Betriebsrat und wesentlichen Entscheidern unserer Gruppe zusammensetzt. Hier haben wir tagesaktuelle Aufgaben und Probleme thematisiert und zumeist sofort entschieden. Über die aktuelle Situation haben wir alle Mitarbeiter/innen wöchentlichen in ausführlichen Situationsberichten auf dem Laufenden gehalten, auch die, die bereits in Kurzarbeit oder im Home-Office sind (per Mail. Intranet und Anhang an die Gehaltsabrechnungen). Hier berichten wir über die aktuelle Situation, über den Stand in einzelnen Betrieben und Sparten, über das Instrument der Kurzarbeit und über anstehende Herausforderungen und geplante Maßnahmen. Es ist uns immens wichtig, die Mannschaft gerade in einer solch‘ schwierigen Zeit zu informieren. Der Wunsch danach ist sehr hoch und alle sind sehr dankbar dafür. Wir möchten und müssen damit auch ggf. vorhandene Ängste abbauen. Insgesamt ist die Stimmung – trotz aller Herausforderungen – in der Mannschaft sehr gut. Ende letzter Woche waren zwei Drittel unserer Mitarbeiter/innen in Kurzarbeit. Ich selbst bin die Hälfte der Arbeitstage im Home-Office, die andere Hälfte im Büro. Ich wechsele mich dabei aus Vorsichtsgründen mit einem Kollegen ab.

Wie geht es Ihnen persönlich mit der Situation?

Für alle ist das eine ganz neue Situation, auf die man sich auch nicht vorbereiten konnte. Wir haben die letzten guten Jahre allerdings auch vorgesorgt, um auch mal Schwächephasen überstehen zu können. Ich bin davon überzeugt, dass uns das mit zwei blauen Augen und einigen Prellungen gelingt, auch wenn die Beschränkungen noch einige Wochen aufrecht erhalten bleiben müssen. Dennoch gebe ich gerne zu, dass mich die Situation anfangs enorm belastet und gefordert hat. Wir haben eine Verantwortung für mehr als 2.000 Mitarbeiter/innen und einen Geschäftsbetrieb mit mehr als 750 Mio. € Umsatz.