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New Work: Die Urlaubsflatrate / Muster

Ein typisches New Work Thema ist der Urlaub ohne Limit. Wir hatten schon darüber berichtet. Allerdings findet man bei der Recherche kein Muster für solch eine Vereinbarung. Es mag dem Umstand geschuldet sein, dass die Betriebe, die Mitarbeitervertretungen haben und / oder tarifgebunden sind, wenig Freiräume schaffen können.

Die anderen KMUs aber schon und deshalb habe ich das nachfolgende Muster entworfen. In den Anmerkungen finden Sie die Bedenken, die man als Arbeitsrechtler dabei hat. Aber: No risk – no fun!

 

„Ergänzung zum Arbeitsvertrag – New Work – unbegrenzter Urlaub

Der Gesetzgeber hat für den Urlaub einige Regeln aufgestellt:

Der Mindesturlaub beträgt 24 Arbeitstage bei einer 6 – Tage – Woche und 20 Tage bei einer 5 – Tage – Woche. Der Urlaub muss im Voraus feststehen. Mindestens 12 aufeinander folgende Werktage müssen zusammenhängend gewährt werden. In den ersten 6 Monaten des Arbeitsverhältnisses erwirbt man nur Anwartschaften, hat aber noch keinen Anspruch auf Urlaubsgewährung.

  1. Wir wollen mehr als diese Mindestbedingungen gewähren. Wir wollen, dass Du selbst entscheidest, wie viel Urlaub Du benötigst. Es gibt keine Obergrenze. Gegenseitiger Respekt und Vertrauen sind die Grundlage.
  1. Bedenke bei der Inanspruchnahme von Urlaub, dass die Arbeit als solche geschafft werden muss. Deine Projekte und Deine Performance dürfen darunter nicht leiden.
  2. Plan Deinen Urlaub eigenverantwortlich und nimm Rücksicht auf Deine Kollegen. Stimm Dich bei der Festlegung des Urlaubs mit ihnen ab, damit nicht alle gleichzeitig weg sind und die Arbeitsabläufe funktionieren.
  3. Denk dran, dass ein Teil des Urlaubs mindestens 12 aufeinander folgende Werktage umfassen muss. Atomisier Deinen Urlaub bitte nicht, indem Du Dir jede Woche einen Tag frei nimmst oder 52 verlängerte Wochenenden hast.
  4. Trag Deinen Urlaub einfach 2 Wochen vorher im online – Urlaubsplan ein, damit wir wissen, dass Du Urlaub hast. Eine Genehmigung des Urlaubs ist nicht erforderlich.
  5. Natürlich wollen wir keine Rechtsstreite führen, aber für den Fall der Fälle brauchen wir eine Basis auf der zu übertragende oder abzugeltende Urlaubstage zu berechnen sind. Diese Basis ist dann der gesetzliche Mindesturlaub.
  1. Diese Regelung ist befristet bis zum 30.06.2022.

 

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Ort / Datum / Unterschrift Arbeitgeber                    

 

  Ort / Datum / Unterschrift Arbeitnehmer

 

Anmerkungen:

 

  1. Ist es dem Arbeitnehmer gestattet, über dem gesetzlichen oder tariflichen Mindesturlaub hinaus so viel Urlaub zu nehmen wie er möchte, dann handelt es sich um eine Art „Urlaubs-Flatrate“. Das ist rechtlich möglich, allerdings ist es so, dass eine vertraglich zugesagte Urlaubs-Flatrate nicht einseitig wieder abgeändert werden kann.

Dies geht nur gemeinsam unter freiwilliger Mitwirkung des Mitarbeiters.

Und auch, wenn keine klare vertragliche Regelung zur Anzahl der Urlaubstage getroffen wurde und ein bezahlter unbegrenzter Urlaub mindestens drei Mal hintereinander vom Arbeitgeber gewährt wurde, kann hier ggf. eine entsprechende Bindung durch eine betriebliche Übung entstanden sein, die einseitig nicht mehr abgeändert werden kann.

Vorsorglich habe ich daher die Abrede durch eine Befristung begrenzt. Das wird man aber auch nicht oft hintereinander so händeln können.

 

  1. Das Modell funktioniert so ganz ohne Kontrolle und Hinweise nicht. Nach der Rechtsprechung ist der Arbeitgeber verpflichtet, mindestens einmal jährlich darauf hinzuweisen, dass der Arbeitnehmer noch Resturlaubstage hat, die bis zum Jahresende genommen werden müssen, weil sie andernfalls verfallen. Ausgenommen sind die Konstellationen, in denen ein gesetzlicher Übertragungsgrund vorliegt.
  2. Das Modell kann sich im Falle längerer Arbeitsunfähigkeit extrem ungünstig gestalten. Wenn der Arbeitnehmer nicht zu Beginn des Jahres mitteilen muss, wie viele Tage er in Anspruch nehmen möchte, könnte er z.B. nach 5 Monaten der Arbeitsunfähigkeit mitteilen, dass er weitere 4 Monate Urlaub in Anspruch nehmen will.
  3. Ein ähnliches Problem ergibt sich beim Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis. Der Arbeitgeber muss nichtgewährten Urlaub abgelten. Woher weiß er wie viele es sein werden, wenn der Arbeitnehmer sich nicht festlegen muss, sondern situativ über die Höhe seines Urlaubs entscheidet
  4. Ein neu eingestellter Mitarbeiter könnte sich nach kurzer Zeit Urlaub ohne Limit gewähren. Es könnte sinnvoll sein, die Regelung auf eine Betriebszugehörigkeit von mehr als 6 Monaten zu beschränken.