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ReDeNetz vor Ort – Praxistipps für die Arbeitgeberattraktivität

Impulse zu den Themen „Diversity und Employer Branding“ vermittelten die Referenten den Teilnehmern des Regionalen Demografie Netzwerkes vor Ort (ReDeNetz) Mitte November im Haus der Wirtschaft. Das Format, als Kooperationsveranstaltung der Deutschen Rentenversicherung (DRV) und des Arbeitgeberverbandes Region Braunschweig e.V. (AGV), ermöglicht mit dieser Netzwerkveranstaltung Vertretern aus Unternehmen und Institutionen der Region einen offenen Austausch zum Umgang mit demografischen Herausforderungen.

 

Bereits in der Begrüßung wies AGV-Geschäftsführerin Cordula Miosga darauf hin, dass eine mögliche Antwort auf den demografischen Wandel darin besteht, sich intensiv mit der eigenen Arbeitgeberattraktivität zu befassen. Im Zuge von Fachkräftewandel und Digitalisierung wird diese noch stärker an Bedeutung gewinnen. Aus diesem Grund wurden die Referenten des diesjährigen ReDeNetz vor Ort bewusst ausgewählt, denn sie gestalten die Arbeitswelt von Morgen bereits heute bewusst. Miosga stellte in diesem Zusammenhang auch das regionale Arbeitgebersiegel Zukunftgeber vor, dass man durch eine Zertifizierung durch den AGV erhalten kann. Sie betonte, dass der Zertifizierungsprozess hin zum attraktiven Arbeitgeber auch die bewusste Auseinandersetzung mit den Themen Gesundheit und Unternehmenskultur umfasst. Was es bedeutet ein Zukunftgberzu sein, können Sie im Video des diesjährigen Gala-Abends sehen. Bei Interesse an der Zertifizierung – optional mit der Teilnahme an der begleitenden Workshopreihe der AfdR ab Frühjahr 2020 – wenden Sie sich bitte per Email an das AGV-Team: zukunftgeber@agv-bs.de.

 

Als erste Redner des Tages stellten Angelika Kahl (Einrichtungsleitung) und Kelly Kollmorgen (Projektleitung Netzwerk Sucht)  das Netzwerk Sucht in Braunschweig und der Region vor. Ihre bittere Bilanz: 5-10% aller Werktätigen müssen als alkoholkrank angesehen werden. Alkoholabhängige Arbeitnehmer bleiben 16-mal häufiger vom Arbeitsplatz fern, fehlen 1,4 mal länger nach Unfällen, die Arbeitsleistung verringert sich um bis zu 25% und die Wahrscheinlichkeit für Arbeitsunfälle erhöht sich um das 3,5-fache, wodurch dem Unternehmen ein enormer betrieblicher Schaden entsteht. Mit dem Projekt Netzwerk Sucht in Braunschweig und der Region sollen suchtmittelgefährdete und/oder suchtmittelabhängige Menschen frühzeitig erreicht werden. Betroffenen, Angehörigen und/oder Interessierten steht durch das Portal auf der Seite www.netzwerk-sucht.de ein Informationspool rund um das Thema Sucht zur Verfügung, sowie eine interaktive Landkarte, auf der alle Hilfsangebote bzw. Netzwerkpartner des Suchthilfesystems in Braunschweig und der Region angezeigt werden. Des Weiteren wurde eine App entwickelt, die den Betroffenen eine niedrigschwellige Kontaktaufnahme zu einer Beraterin ermöglicht. Zusätzlich zu der App gibt es demnächst für Unternehmen die Möglichkeit einen Chat-Button in Ihrem Intranet oder auf Ihrer Homepage zu installieren. Über diesen „Button“ wird Mitarbeitern unter dem Gesichtspunkt „Betriebliche Gesundheitsförderung“ eine anonyme und niedrigschwellige Kontaktaufnahme zu einer Case-Managerin ermöglicht. Eine wirksame Maßnahme, um Mitarbeitern sowie auch Kollegen von Suchtkranken eine Anlaufstelle zu bieten und damit positiven Einfluss auf die Gesundheit der Belegschaft und auf das Betriebsklima zu nehmen.

 

Diversity Management – Konstruktive Vielfalt für eine resiliente Unternehmenskultur

 

Welche Rolle Vielfalt im Kontext des demografischen Wandels einnimmt, zeigte der freiberufliche Coach Jürgen Bittner in seinem Impulsvortrag „Diversity Management – Konstruktive Vielfalt für eine resiliente Unternehmenskultur“ auf. Seit vielen Jahren befasst er sich mit dem Thema Diversity und bestärkt Unternehmen darin, sich mit den Vorteile gemischter Teams zu befassen, Vorurteile zu überwinden und einfach mal die eigene Komfortzone zu verlassen. Um die Gesundheit der Organisation – ihre Resilienz – sicherzustellen, ist Vielfalt eine wissenschaftlich nachweisbare Komponente. Zu den förderlichen Aspekten der Resilienz zählen dabei mitunter Optimismus, Akzeptanz und Lösungsorientierung. Gesagt – getan: Kurzerhand hatten die Teilnehmer des ReDeNetz vor Ort die Möglichkeit die Rolle eines Clowns einzunehmen. Ein Clown begegnet Problemen nicht mit Totschlagargumenten wie „das haben wir schon immer so gemacht“ oder „das geht sowieso nicht“, sondern nähert sich Neuem und Unbekannten staunend. Staunend erforscht der Clown unbekanntes Terrain und die automatisch aufkommende Portion Humor gepaart mit dem ein oder anderen Lacher entspannt jede Situation und lockert diese auf. Jürgen Bittner forderte die Teilnehmer zu ab fortan folgendem Selbstversuch auf:

 

Entwickeln Sie einen resilienten Umgang mit Vielfalt.
Bleiben Sie neugierig und offen für Neues.
Bleiben Sie in Kontakt und in Resonanz mit anderen Menschen.
Halten Sie Ausschau nach Wachstum und Entwicklung.
Stellen Sie dazu gelegentlich alte Gewohnheiten in Frage.
Haben Sie den Mut zu Versuch und Irrtum.
Entdecken Sie Ihren Spielraum.

 

Zum Thema Diversity berichtete Jürgen Bittner stolz, dass in der Region Braunschweig bereits 100 Unternehmen die „charta der Vielfalt“ unterzeichnet haben. Diese wurde als Arbeitgeberinitiative zur Förderung von Vielfalt in Unternehmen und Institutionen im Jahr 2006 ins Leben gerufen. Bundesweit gibt es aktuell 3.400 Unterzeichner mit 13,3 Millionen Beschäftigten. Nähere Informationen zu diesem Zeichen setzendem Unterzeichnungsprozess erhalten Sie auf der Homepage www.charta-der-vielfalt.de oder bei Jürgen Bittner www.j-bittner.de.

 

Nach einer kurzen Energiepause stiegen die Teilnehmer dann noch tiefer in das Thema Arbeitgeberattraktivität für ein gutes Employer Branding ein. Die Diplom-Psychologin Zorana Dippl und Dr. Georg Martensen (Leadox I als mensch in führung) referierten zum Thema „Zwischen Verhältnisprävention und Selbstverantwortung – Die vier Aspekte einer “gesunden” Organisation“. Diese vier Aspekte umfassen:

 

Klarheit im Management: Sagen Sie Ihren Mitarbeitenden, worum es hier und jetzt in der Firma geht; trauen Sie ihnen und muten Sie ihnen etwas zu, ermutigen und ermächtigen Sie sie, indem Sie Räume für Selbstorganisation schaffen, wo Mikromanagement keinen Platz hat.

Kultur des Miteinanders: Schaffen Sie Klarheit in Ihren Meeting-Formaten, trennen Sie sich von zeitfressenden Redundanzen und fächern Sie Ihre Meetings unbedingt funktional und thematisch auf: kurz und knapp für tagesaktuellen Austausch (sorgen Sie für den Austausch von Wissen, nicht von Meinungen!), Agenda gestützte Formate für wiederkehrende Jour-fixes und für strategische Themen (lassen Sie die Sitzungsleitung rotieren, erstellen Sie ein Protokoll, das in der nächsten Sitzung der erste TOP ist, unterbinden Sie Befindlichkeitsrunden und Abschweifungen, und: lassen Sie Sitzungen ausfallen, wenn es keine Themen gibt!), „brown-bags“ für semi-formelle Begegnungen (laden Sie externe Referenten aus anderen Unternehmen anderer Branchen ein!), lassen Sie Raum für informellen Austausch in Teeküchen, auf Gängen oder sonst wo, kennzeichnen Sie Events und spezielle Formate, die ausschließlich für die soziale Begegnung dienlich sind. Geben Sie geschäftlichen Themen dort keinen Raum.

Mitarbeiter und ihre Leistung sehen: Machen Sie deutlich, dass exzellente Leistung kein Grund ist, sich vor den anderen zu verstecken. Jeder kann was – suchen Sie nach Beispielen! Schaffen Sie Raum für eine Kultur der (eher beiläufigen und selbstverständlichen) Anerkennung der Exzellenz Ihrer Mitarbeitenden, inszenieren Sie dies aber nicht durch peinliches Herausstellen der Leistungsträger!

Motivation über Klarheit im Wozu: Vermitteln Sie Ihren Mitarbeitenden, welchen Beitrag sie und die Funktionsgruppe, der diese angehören, zum Ansehen Ihres Unternehmens und der Zufriedenheit Ihrer Kunden leisten. Das reicht: Mehr können Sie zur Sinnerfüllung nicht beitragen!

 

Im Anschluss hatten die Teilnehmer noch die Möglichkeit ihre eigenen Erfahrungen bei einem Mittagsimbiss miteinander zu teilen.