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Sprache als Schlüssel zur Teilhabe – Bernd Stolte im Interview

Nicht alle Arbeitgeber wissen von den Fördermöglichkeiten, die in Bezug auf Sprachförderung durch die Bundesregierung zur Verfügung gestellt werden. Wir haben uns mit Bernd Stolte, Geschäftsführer von inlingua Braunschweig ausgetauscht. Was sind die aktuellen Möglichkeiten und warum präventive Maßnahmen wichtig sind, verrät er im Interview.

 

Herr Stolte, stellen Sie sich und Ihr Unternehmen doch kurz vor.

 

inlingua ist ein Netzwerk unabhängiger Sprachschulen, das weltweit tätig ist. Die inlingua Sprachschule in Braunschweig gibt es schon seit 1969. Seit 2012 leiten meine Frau und ich den Standort. Unsere Schwerpunkte sind Kurse in Englisch und Deutsch als Fremdsprache für private und öffentliche Auftraggeber. Die Kurse bieten wir in Präsenzform und seit einigen Jahren auch im Virtuellen Klassenzimmer, also als Videokonferenz, an. Außerdem sind wir zertifiziertes Prüfungszentrum für diverse, offiziell anerkannte Sprachprüfungen.

 

Wo sehen Sie aktuell für Unternehmen den größten Bedarf bei der Sprachförderung?

 

Früher lag ganz eindeutig der Schwerpunkt auf Wirtschaftsenglisch. Dieser Bedarf ist noch vorhanden, hat jedoch leicht abgenommen, da die Schulbildung in Englisch besser geworden ist. Aber es fehlt oftmals an den Sprechfertigkeiten, da der Schulunterricht leider oft die Schriftsprache mehr betont als das gesprochene Wort. Und Sprachen lernt man nun mal durch Sprechen. Heute sehen wir einen stetig steigenden Bedarf an Deutsch als Fremdsprache in den Unternehmen. Wir führen zunehmend Deutsch-Firmenkurse durch. Beliebt sind aber gerade bei kleineren Unternehmen offene Gruppenkurse am Abend, zu den die Firmen ihre Mitarbeitenden entsenden.

 

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise konnten kaum genügend Sprachkurse angeboten werden. Wie ist der Zulauf heute und wie sind die Sprachbarrieren abgebaut worden?

 

Die sogenannte Flüchtlingskrise hat bei vielen Menschen den Blick darauf verstellt, dass auch in den Jahren davor und danach jeweils mehrere hunderttausend Migrant*innen nach Deutschland gekommen sind und weiterhin kommen. Der Bedarf an Integrationskursen ist insgesamt etwas zurückgegangen, aber immer noch sehr hoch. Die Struktur der Kurse hat sich allerdings verschoben. Es gibt heute zum Beispiel nur noch einen geringen Bedarf an Alphabetisierungskursen. Dafür werden mehr Kurse auf höheren Sprachniveaus und spezielle Kurse für bestimmte Berufsgruppen nachgefragt.

 

Der Abbau der Sprachbarrieren verläuft individuell sehr verschieden. Man kann nicht alle Migrant*innen über einen Kamm scheren. Generell lässt sich sagen, dass Migrant*innen, die im Beruf stehen oder ein Ehrenamt ausüben, sprachlich besser integriert sind. Das hängt einfach mit der Häufigkeit des Sprachgebrauchs zusammen.

 

Was raten Sie Unternehmen, die Mitarbeiter mit Sprachbarrieren einstellen würden?

 

Generell würde ich mir wünschen, dass die Unternehmen vor oder gleich nach Arbeitsantritt ein Konzept für die sprachliche Weiterbildung entwickeln. Oft werden wir erst konsultiert, wenn sprachliche Probleme im Arbeitsalltag auftauchen. Wir sind gern bereit, schon im Bewerbungsprozess eine sprachliche Einstufung vorzunehmen und den Schulungsbedarf abzuschätzen. Generell finde ich, dass Unternehmen den Pool an potenziellen Bewerber*innen, die in den Sprachkursen bei uns und bei anderen Trägern sind, stärker anzapfen sollten.

 

Gibt es passende Fördermittel vom Staat für einzelne Sprachkurse?

 

Es gibt verschiedene Fördermöglichkeiten, z.B. durch das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) bezuschusste Sprachkurse für Beschäftigte und mitreisende Familienangehörige. Außerdem gibt es Fördermöglichkeiten durch die Agentur für Arbeit/das Jobcenter.

 

Können Sie bei der Antragsstellung unterstützen?

 

Ja gern. In jedem Fall muss die Förderkulisse individuell ausgeleuchtet werden, da es so viele verschiedene Programme gibt. Auch solche, die nur indirekt mit der Sprachförderung zu tun haben, wie z.B. der Eingliederungszuschuss. Wir nehmen uns immer die Zeit für eine Beratung, auch wenn wir am Ende eventuell an andere Träger verweisen.

 

Es ist dabei sehr wichtig, frühzeitig den Kontakt mit uns zu suchen, denn manchmal ist die Vorlaufzeit etwas länger, weil Anträge gestellt werden müssen etc. Das Qualifizierungs-chancengesetz (QCG) bietet übrigens auch neue Möglichkeiten, die vielfach noch ungenutzt sind. Wir sind derzeit dabei, nach dem QCG geförderte Maßnahmen zu konzipieren und können dabei auch noch den Input von interessierten Unternehmen aufnehmen.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Stolte! Wie können Interessierte bei weiteren Fragen Kontakt mit Ihnen aufnehmen?

 

Bernd Stolte
Inlingua Braunschweig

 

IBS Sprachschule GmbH
Münchenstraße 12
38118 Braunschweig
Tel. 0531-70221751
E-Mail: sprachen@inlingua-braunschweig.de
Web: www.inlingua-braunschweig.de