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Stiftung Löwenbrücke hilft Menschen mit körperlichen Handicaps

2021 wurde die Stiftung Löwenbrücke Braunschweig von der Stifterin Hildegard Eckhardt gegründet. Dem Stiftungszweck verpflichtet engagieren sich zudem im Vorstand Ingo Volker Rembitzki (Physio X Clinics GmbH) und Dr. Steffen Helbing (Compleneo). Im Interview konnten wir das Team hinter dem Vorhaben und die vielfältigen Ansätze näher kennenlernen.

 

Frau Eckhardt: 2021 wurde die Stiftung Löwenbrücke ins Leben gerufen, erzählen Sie uns doch ein bisschen etwas dazu. Was ist die Idee hinter der Stiftung?

Die Stiftungslandschaft in unserer Region ist sehr vielfältig und weitestgehend sind viele Bereiche ausreichend mit einem Stiftungszweck gesegnet. Mit der Stiftung Löwenbrücke Braunschweig eröffnen wir Möglichkeiten, Gesundheitsförderung für Menschen mit körperlichen Handicaps zur gesellschaftlichen Teilhabe und Integration durch Technik umfassend und verbindend darzustellen. Ziel der Stiftung ist die Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens, der öffentlichen Gesundheitspflege und die Förderung von Wissenschaft und Forschung. Dieses Ziel wird insbesondere verwirklicht durch Maßnahmen und Schaffung von Kooperationen zur Gesundheitsförderung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit komplexen körperlichen Handicaps in den Bereichen der Prävention, Therapie, Rehabilitation und im Health Service Bereich. Durch Anwendung integrativer Technik und spezifischer Verfahren für Mobilität von Menschen mit körperlichen Handicaps wollen wir Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Mit der stiftungsflankierenden Physio X Clinics GmbH übernehmen wir die Verwaltungskosten der Stiftung. So werden 100% der Spenden in den Stiftungszweck und damit in die Förderprojekte fließen. Gleichzeitig engagieren wir uns mit der GmbH in der Projektarbeit, um auch hier Überschüsse der GmbH der Stiftung und damit dem guten Zweck zukommen lassen zu können.

 

Frau Eckhardt: Was sind konkrete „Förderprojekte“, was wurde bisher umgesetzt?

Im Rahmen unseres Förderzwecks zur Integration und sozialen Teilhabe durften wir Malden, ein zehnjähriger Junge aus der Region mit einer angeborenen Fehlbildung des linken Unterarmes, bei der prothetischen Versorgung mit einer Lenkhilfe für das Mountainbike fahren, fördern. Hier wurde gemeinsam mit der Orthopädietechnik Werner & Habermalz und Malden´s Eltern eine 3-D gedruckte und dreidimensional fungierende Lenkadapterhilfe für das Mountainbike fahren entwickelt und auch der Umbau des Mountainbikes gefördert. Wir werden Malden weiterhin bei seiner sportlichen Entwicklung begleiten und die technische Lösung gemeinsam weiterentwickeln und für andere betroffen Menschen zugänglich machen.

 

Ein weiterer Förderantrag zum Beispiel kommt von einer 23jährigen, inkomplett querschnittgelähmten Tänzerin. Sophie studierte Tanz, während sich durch eine Zyste am Rückenmark ihre Gehfähigkeit einschränkte und zu einer inkompletten Querschnittlähmung führte. Auch hier möchten wir Integration und Teilhabe durch technische Innovationen fördern und werden zum einen über technische Kompressionstextilien die Stabilität und Bewegungsharmonie der unteren Extremitäten positiv beeinflussen und zum anderen die Integrität in das berufliche Tanzgeschehen über die Förderung einer Performance ermöglichen. Wie es der glückliche Zufall will, hat die Tänzerin, die aus Dresden stammt, ein Engagement im Herbst dieses Jahres im LOT Theater Braunschweig.

 

 

Herr Rembitzki: Wer gehört zum „Team“ der Stiftung Löwenbrücke Braunschweig? Wer kümmert sich um die einzelnen Bereiche? Was macht zum Beispiel die Arbeit von Dr. Helbing so wertvoll.

Zu unserem Team gehören der Vorstand, Frau Eckhardt, Dr. Helbing und ich. Zudem werden wir von einem Experten-Beirat unterstützt. Wir kümmern uns gemeinsam in unserem Vorstandsteam um sämtliche stiftungsrelevante Bereiche. Wenn es ins Detail geht, bringt jeder seine Expertise ein. Frau Eckhardt ihre betriebswirtschaftliche und unternehmerische Expertise, Herr Dr. Helbing seine juristischen Kompetenzen und ich meine Erfahrungen aus der medizintechnischen Industrie, der biomechanischen Forschung und der therapeutischen Versorgung von Menschen mit körperlichen, insbesondere muskuloskelettalen Herausforderungen.

 

Wir sind sehr froh, dass Herr Dr. Helbing uns als Vorstandsmitglied unterstützt. Als Rechtsanwalt und Notar begleitet er uns in allen stiftungsrechtlichen Fragestellungen und bringt sich aktiv in die Stiftungsarbeit ein. Beide Geschäftsführer der COMPLENEO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Herr Dr. Helbing und Frau Hormig, haben uns bei der Gründung der Stiftung Löwenbrücke Braunschweig intensiv begleitet.

 

Herr Rembitzki: Wie sieht die Arbeit des Expertenrats der Stiftung aus und warum wurde dieser ins Leben gerufen?

Wir haben uns entschieden keinen klassischen Beirat für ausschließlich wirtschaftliche Fragestellungen zu berufen, sondern Experten, die uns in fachlichen Fragestellungen unterstützen. Insbesondere bei Förderanträgen über individuelle Versorgungen mit technischen, innovativen Hilfsmitteln ist die Unterstützung des Beirats wertvoll und hilfreich. Prof. Dr. Potthast, Leiter der klinischen Biomechanik am Institut für Biomechanik und Orthopädie der Sporthochschule Köln berät uns in allen biomechanischen Fragestellungen, Herr Werner von Werner & Habermalz ist der orthopädietechnische Experte im Team und unterstützt in der individuellen Versorgung und im Musterbau und Herr Schneider-Littfeld (Managing Partner BioMedTech Consult) ist mit seinen vielfältigen Erfahrungen und seinem Netzwerk in der Health Care Industrie dabei. Prof. Dr. Erwin Böttinger bringt seine Erfahrungen aus der Health IT-Forschung ein, ein weiterer Experte aus der Medizin soll zeitnah dazustoßen.

 

Wir beschäftigen uns intensiv mit jedem einzelnen Förderantrag und jeder Fragestellung. Daher braucht es ein breit aufgestelltes Team von Experten und Spezialisten.

 

Herr Rembitzki: Für die Leser, die Sie noch nicht kennen, stellen Sie sich doch gerne kurz vor. Besonders ihr beruflicher Background scheint optimal an die Anforderungen zu passen?

Ich bin 1972 in Braunschweig geboren, also ein waschechter Braunschweiger mit „Blau-Gelb“ im Blut. Hier ist meine Heimat, hier bin ich in den Kindergarten und zur Schule gegangen. Ich habe zwei erwachsene Kinder, die ebenfalls in Braunschweig leben. Nach meiner Ausbildung zum Physiotherapeuten und Fachphysiotherapeuten für orthopädische und sportorthopädische Physiotherapie und der Manuellen Therapie am Institut für Angewandte Manuelle Therapie IFAMT habe ich mich relativ schnell in Wolfenbüttel selbständig gemacht. Es folgten Praxen in Pforzheim und Nürtingen. Nach verschiedenen Stationen der klinischen und forschenden Tätigkeit in Kooperation mit verschiedenen, klinischen Einrichtungen wie z.B. der Charite, an der Deutschen Sporthochschule Köln und mit diversen, internationalen Gesellschaften wie der ISMNI, der International Society for Musculoskeletal & Neuronal Interaction war ich über 18 Jahre international als Direktor für klinische Forschung & Services und Direktor für medizinische Angelegenheiten bei den „Big two“ der Orthopädietechnik Ottobock SE & Co. KGaA und dem isländischen Unternehmen Össur BV tätig. Ich war in dieser Zeit in der Welt unterwegs, in über 28 Ländern als Referent, oder in Studienprojekten eingebunden und zu der Zeit seltener in Braunschweig.

 

Meine Lehrtätigkeit für Orthopedic Devices am Institut für Biomechanik und Orthopädie / Klinische Biomechanik an der Deutschen Sporthochschule Köln übe ich, zur Zeit eingeschränkt weiterhin aus. Zudem berate ich klinische Einrichtungen in der Neuausrichtung therapeutischer Bereiche, die Health Care Branche, aber auch die Industrie in Fragen der betrieblichen Gesundheit, wenn es um muskuloskelettale Fragestellungen geht.

 

2006 gründete ich den Clinical Excellence Circle, der heute als Verein mit Sitz in Braunschweig firmiert und dessen geschäftsführender Vorsitzender ich zurzeit bin. Der Clinical Excellence Circle e.V. (CEC) ist ein Netzwerk von medizinischen Spezialisten mit dem Ziel der Förderung von Forschung, Wissenschaft und Bildung auf allen Gebieten der humanen Medizin, humanen Therapie und Medizintechnik, insbesondere in den Bereichen der Orthopädie, Sportorthopädie, gelenkerhaltenden Chirurgie, humanen Biomechanik und der humanen Physiotherapie. Darüber hinaus möchten wir das Verständnis für evidenzbasierte und innovative Aspekte in der Therapie und Prävention von muskuloskelettalen Erkrankungen fördern und damit einen Beitrag für innovative Formen der Zusammenarbeit zwischen Forschung und klinisch-therapeutischer und klinisch-präventiver Praxis leisten.

 

In der 2021 gegründeten, stiftungsflankierenden Physio X Clinics GmbH bin ich ebenfalls als einer von zwei Geschäftsführern tätig. Hier werden wir zukünftig hochspezialisierte und individuelle, evidenzbasierte Physiotherapie und technische Versorgungen für Menschen mit muskuloskelettalen Beschwerden anbieten. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern haben wir uns ein überregionales Kompetenznetzwerk geschaffen, insbesondere um komplexe Beschwerden zu analysieren und zu beheben. Hier besteht auch eine breite Erfahrung in der Betreuung von Leistungssportlern.

 

Herr Rembitzki: Wie kam es dann zur Tätigkeit bei der Stiftung Löwenbrücke?

Das war ein Prozess, den keiner vorgeplant hatte. Den Namen „Löwenbrücke“ hatte ich mir im Rahmen einer Diskussion zur Bezeichnung einer Projektidee in unserem Rotary Club „Heinrich der Löwe“ ausgedacht und schützen lassen. Irgendwann kamen Frau Eckhardt und ich auf die Idee, dass das ein geeigneter und guter Name für ihre Stiftung sein würde. Zu dem Zeitpunkt war es mein Wunsch, meinen Lebensmittelpunkt auch praktisch in Braunschweig zu verorten und nicht mehr durch die Weltgeschichte zu reisen. Nach vielen intensiven und guten Gesprächen habe ich mich entschlossen das Förderziel der Stiftung Löwenbrücke Braunschweig mit meiner Expertise und meinem Netzwerk zu unterstützen – für die Region und darüber hinaus!

 

Herr Rembitzki: Was fasziniert Sie persönlich an Ihrer Tätigkeit, was begeistert Sie an der Aufgabe?

Die Vielfalt der Aufgaben und die Arbeit mit und am Menschen. Zum einen liebe ich meine Managementtätigkeiten, zum anderen sind Neugierde und Wissensdurst die Gründe dafür, dass mir die wissenschaftlichen Aktivitäten Freude bereiten und Menschen, die körperliche Beschwerden und Leiden haben eine Lösung anbieten zu dürfen und sie im Prozess der Genesung zu begleiten ist ein Privileg, welches mich nicht nur begeistert, sondern auch einen Prozess der Demut in Gang setzt, der einem selbst guttut und dankbar sein lässt.

 

Herr Rembitzki:  Wenn Sie sich nicht für die Stiftung einsetzen, was machen Sie privat, wie stehen Sie zur Region?

Auch im Privaten liebe ich die Vielfalt. Ich mag es klassische Konzerte zu besuchen, ich spiele selbst Klavier und Trompete, finde aber auch Ausgleich in der Natur beim Reiten oder der Jagd. In meiner Zeit in Süddeutschland habe ich das Polospiel erlernt und einige Jahre intensiv Polo gespielt. Aktuell ist das in Braunschweig noch nicht möglich, Potential hätte Braunschweig mit dem Anspruch einer Sportstadt aber allemal.

 

Herr Rembitzki:  Was gefällt Ihnen an der Region besonders und wenn Sie einen Wunsch für die Region frei hätten, welcher wäre das?

Braunschweig ist eine freundliche Stadt, ein Familienstandort mit guter Anbindung zu den relevanten Bereichen des täglichen Lebens. Mit Braunschweig verbinde ich eine hohe Lebensqualität, Weltoffenheit und ein breites Kultur- und Sportangebot. Braunschweig verbindet Tradition und Zukunft, es lebt sich gut hier.

 

Ich wünsche mir, dass wir das „Licht der Region“, insbesondere der Stadt Braunschweig nicht unter einen Scheffel stellen, sondern das Potential, welches ohne Zweifel mehr als ausreichend vorhanden   ist, zukünftig intensiver nutzen. Unsere Innovationskraft steht im europäischen Vergleich sehr gut dar. Unsere Region ist Spitzenreiter bei den Forschungsausgaben. Genauso wichtig ist es aber, die Ergebnisse „auf die Straße“ zu bekommen. Unsere Region ist eine der forschungsintensivsten Regionen in Deutschland, das sollte in der Öffentlichkeit deutlicher werden. Mit den hier angesiedelten wissenschaftlichen Instituten, der Technischen Universität, dem städtischen Klinikum und der Einzigartigkeit sich ergänzender Industriebetriebe und des Einzelhandels sind wir besser aufgestellt als außenstehende es wahrnehmen. Wir sollten selbstbewusst, mutig und proaktiv Entscheidungen treffen, die unsere Region weiter voranbringen. Persönlich wünsche ich mir, dass grundsätzlich weniger verwaltet und mehr aktiv gestaltet wird.

 

Herr Rembitzki:  Mit was kann man Sie begeistern. Was ist das Besonders an Förderungen wie die mit Malden, wie man auf der Homepage bereits sehen kann.

Mich begeistern die kleinen Dinge im Leben, es sind oftmals persönliche Erlebnisse, über die ich mich freuen kann und die mich begeistern. Aber auch Herausforderungen in der Therapie und die Versorgung von Menschen mit körperlichen Handicaps begeistern mich. Die Suche nach einer Lösung erinnert mich immer wieder an die Projekte am Institut in Köln. Wenn man in einem Team aus Studenten, Doktoranden und Experten neugierig nach einer Antwort für eine Fragestellung sucht ist das wie Klassenfahrt und Weihnachten zugleich, wenn Ergebnisse gemeinsam erarbeitet sind.

 

Etwa 140 Menschen werden pro Jahr in Deutschland mit einer Fehlbildung der Extremitäten geboren.  Malden ist mit einem fehlgebildeten, linken Unterarm auf die Welt gekommen. Sein aktuelles Ziel: Mountainbike fahren, was mit einer Fehlbildung von Gliedmaßen (Dysmelie) nicht einfach ist. Die klassischen Versorgungslösungen waren nicht geeignet.  Im Rahmen unseres Stiftungszecks konnten wir dem Förderantrag von Malden zustimmen und die Versorgung mit einer innovativen technischen Lösung anbieten. Besonders ist unser Engagement deshalb, weil wir uns mit unserer Expertise und unserem Netzwerk aktiv an der Entwicklung der neuartigen Lösungen engagieren und beteiligen. Malden, seine Eltern, der Techniker und unser Beirat sind hier eingebunden, um soziale Integration und Teilhabe für Malden in seiner gewählten Sportart zu ermöglichen. Damit auch andere Menschen mit ähnlichen Herausforderungen davon profitieren können wird der Lenkprothesenadapter ständig weiterentwickelt.

 

Herr Rembitzki: Mit welchen Partnern arbeiten Sie außerdem zusammen und wie sieht der Austausch aus?

Wir arbeiten im Rahmen unserer Förderschwerpunkte mit Unternehmen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Wissenschaftlicher Partner sind zudem der Clinical Excellence Circle e.V. und weitere Institute rund um die klinische Biomechanik und medizinische Einrichtungen.  Der Austausch findet regelmäßig, mehrmals im Jahr und projektbezogen statt, zurzeit online.

 

Bei einer technischen Lösungsfindung kalkulieren wir den Aufwand und stellen ein Projektteam zusammen. Hier sind gemeinsame Treffen im Rahmen einer technischen Entwicklung oder therapeutischen Versorgung unabdingbar. Für die wissenschaftlichen Nachweise sind dann die jeweiligen Fachinstitute zuständig, die uns Daten über funktionelle Aspekte liefern und eine Risikoanalyse ermöglichen.

 

An den Vorstand: Was ist für die nähere Zukunft geplant, gibt es bereits Überlegungen?

Zunächst einmal kann jeder im Rahmen des Förderzwecks unserer Stiftung über unsere Stiftungsseite www.loewenbrucke-bs.de einen Förderantrag stellen. Jeder kann sich aktuell und in Zukunft über unsere Arbeit informieren und nach und nach werden wir Förderprojekte und die Menschen, die dahinter stehen auf unserer Seite vorstellen. Um der Stiftung ein Gesicht zu geben haben wir uns mit den ersten Förderanträgen eingehend beschäftigt und die ersten Förderungen gemäß unserem Stiftungszweck freigegeben. In diesen ersten Schritten ist es uns wichtig, dass Menschen mit einer gewissen Vorbildfunktion als „Mutmacher“ auf unserer Seite gezeigt werden. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, unsere Stiftung breiter aufzustellen, wir sehen auch in der Kooperation zwischen Stiftungen Potentiale.

 

Kontakt: 

Stiftung Löwenbrücke Braunschweig

Büro:  Sack 17   –   38100 Braunschweig

Tel.: +49 160 94401873

Email: info@loewenbruecke-bs.de

Web:  www.loewenbruecke-bs.de

Konto:         Stiftung Löwenbrücke Braunschweig           IBAN: DE78 2699 1066 1807 1100 00

BIC: GENODEF1WOB